[5 min. Strategie] zum lösen schwieriger Entscheidungen

Es war ein lauer Sommertag. Ich erinnere mich noch als wäre es gestern. 17:00 Uhr und ich treffe Lynn. Sie kommt etwas unsicher aber entschlossen zum Coaching.

Sie spricht von einer Beklemmung, die sie seit einiger Zeit heimsucht. Sie sitzt in ihrem sicheren Job, der sie nicht erfüllt. Und gerade weil dieser Job so sicher ist, kommt sie nicht

raus. Obwohl sie könnte, wenn sie wollte. Doch das wäre mit Unsicherheit verbunden.

Sie spricht von dem goldenen Käfig, in dem wir alle mehr oder weniger festsitzen. Wir haben uns so lange etwas erarbeitet, dass wir uns nur schwer davon befreien können, wenn wir merken, dass es nicht mehr passt.

Also macht sie einen Zwischenschritt und entschließt sich zum Coaching. 

Was nach so einem Coaching passiert, ist immer wieder verrückt und wundersam erstaunlich.

Es vergehen 8 Wochen ohne etwas von Lynn zu hören und plötzlich erreichte mich dieser wundervolle Brief:

Lieber Robert,

es ist offiziell.

Ich habe gekündigt. Ich habe mein unbefristetes Angestelltendasein gekündigt. Meine Arbeitskollegen reagierten mit einer Mischung aus Angst und Bewunderung. Aber keiner reagiert abwertend. Niemand verurteilt mich. Selbst meine Chefin ist sehr offen, ja sogar herzlich und bietet mir an, dass ich jederzeit wieder zurückkommen könne.

Warum nur hatte ich solch eine Angst?

Wochenlang lief ich mit dem Gedanken schwanger. Aber ich hatte mich nicht getraut, diesen Gedanken auszusprechen. Und jetzt, wo ich es getan habe, frage ich mich: Warum erst jetzt?

Doch wie kam es dazu? Rückblick: Ein Tag zuvor hatten wir eine Schulung. Es ging um das Programmieren des Computersystems. Der Dozent führte ein Beispiel vor und sagte:

„Nehmen wir als Beispiel das Datum: 05.01.2120 – obwohl nein, da leben wir ja alle nicht mehr.“

Hat er das jetzt mit Absicht gesagt, oder glitt es ihm rein zufällig über die Lippen. Keine Ahnung.

Plötzlich schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Was mache ich hier eigentlich? Ich sitze in einem Raum mit gelangweilten Kollegen und verschenke hier meine Lebenszeit. Warum? Weil ich Angst habe, dass mein Boss oder meine Kollegen böse auf mich sind, wenn ich kündige. Bin ich eigentlich WAHNSINNIG oder noch kurz davor???

Ich konnte es selbst nicht fassen!

Durch dieses kleine Monster namens „Brainfuck“ war ich wie gelähmt und zugeschnürrt. Dieses Monster hatte mir Bilder in den Kopf gesetzt. Bilder die mir im Falle einer Kündigung, ein Desaster in allen Lebensbereichen beschert. Hatte ich diese Bilder als meine eigenen akzeptiert? Vermutlich schon. Aber jetzt hatte ich dieses kleine Monster beim Lebenszeitklau erwischt! (gibt es dieses Wort überhaupt… egal)

Ich stand von meinem Platz in der Schulung auf. Packte meine Sachen und legte sie im Flur ab. Ich klopfte an der Tür meiner Chefin. Obwohl sie eigentlich nie ein offenes Ohr hat, schallte ein Satz mit einer besonnenen Stimme durch die Tür…

„Treten sie ein.“

Meine Chefin nahm die Brille von der Nase, blickte mich an und

war erstaunt, als ich sie um einen Termin bat.

„Setzen Sie sich.“

Alles passierte wie in einer Trance.

10 Minuten später war ich frei.

Frei von allen hätte-wäre-könnte-Gedanken.

Frei von allen was-passiert-dann-Bildern.

Frei von machen-sie-das-tun-sie-jenes Kommandos.

Ich hatte es getan.

Der Gedanke ploppte aus meinem Mund wie das Kind aus der Mutter. So fühlte es sich an. Als wäre ein neuer Lebensabschnitt geboren.

Perplex nahm ich meine Sachen und fragte mich insgeheim:

Was war denn das grad für eine Nummer?

Woher kam dieser blitzartige Impuls?

Lag es wirklich an der Entscheidungshelfer-Übung die ich vor ein paar Tagen durchführte?

Zum Verständnis, vielleicht auch zum Ausprobieren, hier die Entscheidungshelfer Übung die wir im Coaching durchgeführt haben. Die Entscheidungshelfer Übung:

  1. Nimm drei DIN A4 Blätter
  2. Schreibe auf das erste Blatt deine jetzige Situation auf
  3. Schreibe auf das zweite Blatt das, was passiert, wenn du weitermachst wie bisher
  4. Schreibe auf das dritte Blatt, was passiert, wenn du dich für etwas anderes entscheidest
  5. Wenn du mehrere Entscheidungen zur Auswahl hast, dann nutze für jede weitere Entscheidungsmöglichkeit ein weiteres Blatt 

Nun lege die Ausgangssituation direkt vor deine Füsse. Platziere alle möglichen Entscheidungen etwa einen Schritt davon entfernt.

Nun steige auf deine jetzige Situation und schliesse Deine Augen. (jetzt wird´s spannend)

Was siehst du vor deinem Inneren Auge?

Was hörst du?

Was fühlst du?

Nun gehe einen Schritt nach vorne auf die erste Entscheidungsmöglichkeit.

Was passiert, wenn du weitermachst wie bisher?

Was siehst du vor deinem Inneren Auge?

Was hörst du?

Was fühlst du?

Nun schreibe auf was Du wahrgenommen hast.

Du bist wundervoll

Gehe einen Schritt zurück in die jetzige Situation.

Spring kurz auf und ab, um dich von den Emotionen zu lösen und frage Dich was Du gestern gefrühstückt hast.

Gehe nun einen Schritt nach vorne in die zweite Entscheidungsmöglichkeit.

Was siehst du vor deinem Inneren Auge?

Was hörst du?

Was fühlst du?

Schreibe alles auf was Dich gerade bewegt.

Gehe nun wieder zurück in die jetzige Situation und springe auf und ab.

Wiederhole die oben genannten Schritte mit allen Entscheidungen.

Nimm dann alle Blätter zur Hand und werte deine Ergebnisse aus.

Vertraue dir selbst.

Dein Unterbewusstsein wird dich zur richtigen Entscheidung leiten. Bedenke, wenn du keine Entscheidung triffst, so triffst du automatisch die erste, das alles so bleibt wie es ist. Du machst dann weiter wie bisher.

Zurück in den Flur hinter dem Zimmer meiner Chefin.

Da stand ich nun. Erleichtert. Froh. Und vor allem Frei.

Frei, endlich dieses Entscheidungskind geboren zu haben.

Verrückt, wie diese- fast banal erscheinende Übung verzaubert hat.

Keine Ahnung ob es wirklich an der Übung lag. Doch eines ist Fakt, ich wurde gelenkt von einer in mir treibenden Kraft und nun kommt ein neuer Teil meines Lebens.

Ein Teil, den ich mir schon lange innerlich wünschte.

Ein Teil von Selbstbestimmtheit.

Ein Teil von Muse

Ein Teil meiner tiefsten Kreativität mein Leben selbst zu gestalten.

Danke, Danke, Danke Robert

———- E N D E ————–

Nun bist Du gefragt. Wie triffst Du auf effektive Weise Entscheidungen?

Robert
 

Robert Kressin ist Coach und Unternehmer strategischer Persönlichkeitsentwicklung. Seine Leidenschaft besteht darin, sich neu zu denken. Verrücktes zu testen. Herzhaft zu leben um erfolgsfördernde Verhaltensweisen zu wecken und zu automatisieren. Er hat bei den besten Trainern der Persönlichkeitsentwicklungs-szene gelernt und aus diesem Wissen spezielle Strategien kristallisiert. Diese Erfahrungen gibt er nun als Coach an andere Menschen weiter.

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